Daniel Schnelting

Deutscher Meister zum Anfassen – Daniel Schnelting motiviert Kinder mit Diabetes beim „KiDS-Kurs“

Daniel Schnelting, dreifacher Deutscher Meister im 200-Meter-Sprint, selbst Diabetiker und Botschafter der bundesweiten Diabetes-Aktion „Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7“, nahm sich am 26. Juli 2012 viel Zeit, um die Fragen der Teilnehmer des diesjährigen KiDS-Kurs rund um die Zuckerkrankheit zu beantworten. „Diabetes ist ein Teil meines Lebens. Ich möchte die Kinder und ihre Familien ermutigen, die Erkrankung anzunehmen und ihnen dabei helfen, ihren Diabetes im täglichen Leben zu managen“, so Daniel Schnelting.

Sport und Spaß bringt Motivation

Die Fragen zur Insulintherapie, Diabetes und Sport, Blutzuckermessen und dem täglichen Umgang mit der Erkrankung beantwortete Daniel Schnelting aus eigener Erfahrung: Seit dem 5. Lebensjahr hat er gelernt, mit seiner Erkrankung umzugehen. Am Ende des Tages wurde gemeinsam Sport getrieben und der Sprintstar zeigte den begeisterten jungen Menschen mit Diabetes einige Geschicklichkeitsübungen, die er extra für den Kids-Kurs vorbereitet hatte. „Das hat mir heute viel Spaß gemacht. Ich hoffe, dass ich vermitteln konnte, dass sich Jeder selbstverantwortlich seinem Diabetes stellen kann, um aktiv damit zu leben.“

KiDS-Kurs jedes Jahr wieder

Der 14-tägige Schulungskurs „KiDS-Kurs“ für Kinder mit Diabetes mellitus Typ-1 – organisiert von Dr. Karsten Milek – fand dieses Jahr zum 21. Mal in der Bremsdorfer Mühle in Brandenburg statt. „Kinder, die an Diabetes erkrankt sind, müssen den Umgang mit der Erkrankung lernen. Mehrmals täglich benötigen sie Insulin und messen ihren Blutzucker – egal wo sie gerade sind. Bei uns sind sie die Hauptpersonen“, beschreibt Dr. Milek die große Herausforderung. Denn um den KiDS-Kurs am Leben zu erhalten, muss Milek immer wieder Hürden überwinden, z.B. bei den Krankenkassen Überzeugungsarbeit leisten, damit das Projekt von Jahr zu Jahr fortgeführt werden kann.

Interview mit Daniel Schnelting

Film mit Daniel Schnelting

Daniel Schnelting ist einer der besten deutschen Sprinter. Was viele nicht wissen: Der 1,96 m große Sportler vom LAZ Rhede ist Diabetiker. Die chronische Stoffwechselerkrankung hält den mehrfachen Goldmedaillengewinner und Deutschen Meister nicht davon ab, Spitzenleistungen zu erbringen. Der Durchbruch gelang dem 1986 Geborenen mit dem dritten Platz auf der 200m-Strecke bei der Deutschen Meisterschaft in Wattenscheid. Nur drei Wochen später wurde Daniel Schnelting zum zweifachen Goldmedaillengewinner in der Kategorien 200m- und 4x100m-Staffel bei der Junioren-Europameisterschaft in Kaunas. Außerdem holte der Leichtathlet bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft in Braunschweig die Titel über 100m und 200m. Bei der Deutschen Meisterschaft 2006 in Ulm erreichte der Borkener den zweiten Platz. Er lief 200m in 20,96 sec. 2007 geht die Erfolgsgeschichte weiter: Bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt gewann der Sprinter den Titel in 20,88 sec. 2008 verteidigte Schnelting in Nürnberg seinen Meistertitel in 20,54 Sekunden.

Im Juli 2010 wird er in Braunschweig erneut Deutscher Meister im 200 Meter-Sprint mit 20,73 sec. und qualifiziert sich für die Leichtathletik-EM in Barcelona. Ganz knapp verpasst er dort den Einzug ins Halbfinale: Mit 20,98 sec. holt er Platz vier. Daniel Schnelting zeigt was als Diabetiker möglich ist.

Was bedeutet es für Sie, mit Diabetes zu leben?

Diabetes begleitet mich immer. Die Eigenschaften Disziplin und Selbstorganisation spielen dabei eine wichtige Rolle für mich. Diese brauche ich als Sportler, allerdings sind die Eigenschaften für mich als Diabetiker noch wichtiger. Genau wie ich zweimal täglich meine Zähne putze, kontrolliere ich 7 bis 9-mal meinen Blutzucker, spritze Insulin und ernähre mich gesund. So schaffe ich es, mit dem Diabetes ein normales Leben zu führen und gleichzeitig sportliche Höchstleistungen zu erzielen.

Wie sind Sie zum Leistungssport gekommen?

Während der Grundschule habe ich bereits einen neuen Rekord bei den Bundesjugendspielen aufgestellt. Zu der Zeit habe ich bereits zur Aufklärung über Diabetes beigetragen. Bei hohen Blutzuckerwerten bin ich immer um die Schule gerannt, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Das hat die anderen Schüler natürlich aufmerksam gemacht. Die Lehrer haben den Schülern dann die wichtigsten Dinge über den Diabetes beigebracht. Die Botschaft war klar: Sport ist gut für Diabetiker. Während der Realschulzeit hat mich mein Sportlehrer nochmals auf mein Talent aufmerksam gemacht und mich motiviert, etwas aus meiner Schnelligkeit zu machen. Mit 13 Jahren bin ich dann dem Leichtathletikverein (LAZ Rhede) beigetreten und durfte bereits mit 16 Jahren meinen ersten Deutschen Jugendmeistertitel feiern. Damals bin ich 21,61 sec über 200m gelaufen. Heute laufe über eine Sekunde schneller und bin bereits dreifacher Deutscher Meister im erwachsenen Bereich.

Sport und Diabetes, wie passt das zusammen und was müssen Sie beachten?

Mein Diabetes ist mit dem Sport verbunden. Durch die sportliche Betätigung benötige ich deutlich weniger Insulin und erziele bessere Blutzuckerwerte. Vor dem Training strebe ich einen Wert von 140 mg/dl an. Nach dem Aufwärmen (Einlaufen, Dehnen und Laufkoordination) kontrolliere ich noch einmal den Blutzuckerspiegel, bevor das richtige Trainingsprogramm beginnt. So habe ich die Sicherheit, dass ich ohne Einschränkungen Höchstleistungen erzielen kann.

Bei einem Wettkampf kommt allerdings noch die Aufregung hinzu. Das ist Stress für meinen Körper und dieser stößt Adrenalin aus. Adrenalin ist für mich als Sportler gut, allerdings lässt es meinen Blutzuckerspiegel hochschnellen. Das macht die Blutzuckereinstellung schwieriger und aus diesem Grund kontrolliere ich meinen Blutzucker während des Wettkampfs noch häufiger.

Wie wichtig ist es für Sie, Ihren Blutzucker zu messen?

Die Blutzuckerkontrolle ist enorm wichtig, da ich nur Leistung erbringen kann, wenn die Blutzuckerwerte stimmen. Dies gilt nicht nur im Sport, sondern auch im beruflichen und privaten Umfeld. Außerdem möchte ich den Folgeerkrankungen vorbeugen und ein langes gesundes Leben führen, dies erreiche ich nur durch regelmäßige Blutzuckerkontrollen und einen guten Blutzuckerspiegel. An normalen Tagen kontrolliere ich meinen Blutzucker zwischen 7 und 9-mal.

Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihren Diabetes?

Ich gehe offen mit meinem Diabetes um und kläre, wenn nötig, über die Erkrankung auf. Für mein Umfeld ist es somit selbstverständlich geworden, sie kennen mich auch nur mit meinem Diabetes. Wenn ich zwischendurch meinen Blutzucker kontrolliere, fällt dies meist gar nicht auf. Mit dem neuen Blutzuckermessgerät verläuft die Messung so schnell und zudem ist das Messgerät mit meinem iPhone verknüpft. Dadurch brauche ich keine Dokumentation in einem Blutzuckertagebuch führen, sondern erledige das automatisch in meinem iPhone.

Warum sind Sie Botschafter der Aktion "Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7"?

Als Diabetiker und Leistungssportler möchte ich bei der Aktion "Wissen was bei Diabetes zählt: Gesünder unter 7" Menschen mit Diabetes informieren, dass es für sie wichtig ist, ihre Werte zu kennen. Nur wer gesund lebt und regelmäßig seinen Blutzucker kontrolliert, kann die Lebensqualität erhöhen. Sport ist dabei enorm wichtig – regelmäßige Bewegung kann die Blutzuckerwerte verbessern und so das Risiko für Folgeerkrankungen minimieren. Ich finde es wichtig, die Bevölkerung über Diabetes aufzuklären und über die Risikofaktoren eines Typ-2-Diabetes zu informieren. Jeder kann einer Erkrankung vorbeugen, indem er sich über Risikofaktoren informiert und mit einem gesunden Lebensstil vorsorgt.